Presseaussendung

Spatenstich für den Tempel in Wien ist ein Meilenstein des Glaubens und der Freude

WIEN, Österreich − Als Regina Hladky 13 Jahre alt war, fuhr ihr Vater mit der ganzen Familie durch die Nacht von Salzburg in die Schweiz. Sie hatten sich 1978 der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage angeschlossen, und die Reise führte sie zum nächstgelegenen Tempel.

„Ich weiß noch, dass wir zur Tempeltür gingen und sie berührten“, erinnert sie sich. „Das war ein ganz besonderes Gefühl. Ich werde es nie vergessen.“

Seit Jahrzehnten unternehmen die in Österreich beheimateten Mitglieder der Kirche ähnliche Reisen. Eltern machen sich mit ihren Kindern auf die Reise, Jugendliche steigen in Busse, und die Familien nehmen sich Tage oder sogar Wochen frei, um in einem Tempel jenseits der Landesgrenzen Gott zu verehren.
Nun wird zum ersten Mal in Österreich ein Haus des Herrn gebaut.

Am Samstag, dem 17. Oktober, kamen 250 Mitglieder und Freunde der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sowie lokale Würdenträger in Wien zum Spatenstich für diesen Tempel zusammen.

Elder Michael Cziesla von der Präsidentschaft des Gebiets Europa Mitte leitete die Zeremonie. Er würdigte all diejenigen, die mit ihrer Hingabe den Weg dafür bereitet haben, dass dieses historische Ereignis stattfinden kann, und sagte: „Heute stehen wir auf dem Fundament ihres Glaubens.“

Der geplante mehrstöckige Tempel mit einer Grundfläche von etwa 1400 Quadratmetern wird auf einem 3200 Quadratmeter großen Grundstück in der Silbergasse 2 im 19. Bezirk errichtet.

Lange Fahrten, bleibende Eindrücke

Jahrzehnte nach ihrem ersten Besuch im Tempel in der Schweiz reisen Regina Hladky und ihr Mann Viktor immer noch regelmäßig zu einem Tempel in der Schweiz oder in Deutschland und bleiben dort manchmal sogar eine ganze Woche, um den Dienst im Tempel zu verrichten.

„Zu jedem Tempel, ob in Bern, Frankfurt oder Freiberg, braucht man etwa acht Stunden“, so Regina Hladky. Ein Haus des Herrn in Wien wird ihre Terminplanung bald von Grund auf verändern. „Wir werden uns neue Ziele setzen und unsere Wochen und Monate anders planen, um Raum für den Tempelbesuch zu schaffen.“

Signe Lassl erinnert sich daran, dass die Fahrt zum Tempel in ihrer Jugend bis zu zwölf Stunden dauerte. „Ich hoffe, dass der Tempelbesuch nicht zur Routine wird“, meint sie und bringt ihren Wunsch zum Ausdruck, dass der Tempelbesuch ein heiliges und besonderes Erlebnis bleibt, auch wenn der Weg zum Tempel kürzer ist.

Helmut Wondra erinnert sich an seinen ersten Tempelbesuch im Alter von zwölf Jahren. Nach einer zehnstündigen Busfahrt von Wien kam seine Jugendgruppe am späten Abend in der Schweiz an. Bevor sie zu ihrer Unterkunft fuhren, machten sie neben dem Tempel Halt.

„Allein die Reinheit, das Licht und die Atmosphäre, die das Haus des Herrn ausstrahlte, berührten mich zutiefst“, sagt er. „Obwohl ich so müde war, war es etwas ganz Besonderes, den Tempel zu sehen.“

Für Helmut Wondra ging das Erlebnis weit über diesen ersten flüchtigen Blick hinaus. Er erinnert sich daran, wie er still im Tempel saß, in den heiligen Schriften las und über wichtige Entscheidungen nachdachte. „Meine Generation hat in ihrer Jugend gelernt, dass der Tempel ein Haus der Offenbarung ist“, sagt er.

Ein Vermächtnis des Glaubens und der Freude

Die Geschichte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Österreich reicht über 160 Jahre zurück. Die ersten Mitglieder dort mussten religiöse Vorurteile, politische Umwälzungen und Kriege ertragen, während sie unermüdlich eine stabile Glaubensgemeinschaft aufbauten.

Für Helmut Wondra ist diese Geschichte auch Teil seiner Familiengeschichte.

Sein Vater Johann Wondra, der in Wien Theater und Philosophie studierte und auf der Suche nach Wahrheit war, schloss sich als junger Mann der Kirche an. Johann Wondra war später Distriktspräsident und wurde 1980 der erste Pfahlpräsident Österreichs (ein Pfahl ist einer katholischen Diözese ähnlich).

Helmut war damals erst sieben Jahre alt, aber ein Erlebnis, das sein Vater später aufschrieb, ist ihm besonders in Erinnerung geblieben.

Einige Monate vor der Gründung des Pfahles erzählte Johann Wondra von einem Traum, in dem er durch die Gartenanlagen des Schlosses Schönbrunn ging. Dort begegnete er Präsident Ezra Taft Benson, dem damaligen Präsidenten des Kollegiums der Zwölf Apostel der Kirche. In diesem Traum gab ihm Präsident Benson einen Segen mit einer Verheißung, was die Zukunft der Kirche in Österreich betraf.

„Die Kirche wird wachsen, wenn ihre Mitglieder glücklicher werden“, erinnerte sich Johann Wondra.

Einige Monate später erfuhr er, dass Präsident Benson nach Wien kommen werde, um den ersten Pfahl in Österreich zu gründen. Johann Wondra erzählte, dass Präsident Benson ihm bei seiner Einsetzung zum Pfahlpräsidenten die gleiche Botschaft mit auf den Weg gab, nur dieses Mal ausführlicher.

Die Verheißung fasste Johann Wondra als Aufforderung auf, den Mitgliedern der Kirche zu helfen, mehr Freude zu finden, indem sie Jesus Christus nachfolgen und Nächstenliebe haben.

Später erklärte er, christliche Liebe sei nicht einfach eine Reaktion darauf, wie andere uns behandeln, sondern eine bewusste Entscheidung, dem Beispiel des Erretters zu folgen.

Jahre später, nachdem Johann Wondra Präsident des Frankfurt-Tempels gewesen war, erkannte er eine weitere Verbindung zwischen dem Tempel und diesem Grundsatz.

„Der Tempel ist Gottes Universität, wo man Nächstenliebe lernt“, sagte er.

„Wir haben geweint, wir haben gelacht, wir haben getanzt“

Jahrelang hatten die österreichischen Mitglieder der Kirche gehofft, dass eines Tages in ihrem Land ein Tempel gebaut werde.

Als der damalige Präsident der Kirche, Russell M. Nelson, am 4. April 2021 während der Coronapandemie den Wien-Tempel ankündigte, löste das große Freude unter den Mitgliedern in Österreich aus, die schon so oft lange Fahrten zu einem der Tempel in den Nachbarländern auf sich genommen hatten.

Signe Lasse konnte die Ankündigung kaum glauben. Als junge Frau hatte sie die kirchlichen Führer von einer Zukunft sprechen hören, da es in vielen Ländern Tempel geben werde. Damals bezweifelte sie, dass sie diesen Tag in ihrem eigenen Land erleben würde.

„Ich war tief berührt“, erinnert sie sich, „für mich war es ein Wunder.“

Sie dachte sofort an ältere Mitglieder der Kirche, die gern in den Tempel gehen, für die die langen Fahrten aber inzwischen zu mühsam waren, und an junge Leute, die eines Tages den Tempel einfach mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen können.

„Was für ein Wunder und was für ein Segen in meinem Leben“, sagt sie.

Für Helmut Wondra und seine Frau Julia führte diese Ankündigung zu einem spontanen Freudenfest. Sie sahen sich die Generalkonferenz auf dem Laptop in ihrem Zimmer an und schrien vor Freude auf, als sie hörten, dass für Wien ein Tempel angekündigt wurde. Ihre Söhne kamen angerannt und fragten sofort neugierig, was denn geschehen sei.

„Wir haben geweint, wir haben gelacht, wir haben getanzt“, erzählt Helmut Wondra. „Es war die pure Freude.“

Die Aufregung hielt bis spät in die Nacht an, als Freunde und Angehörige Nachrichten austauschten und die Neuigkeit feierten.

Mehr als ein Gebäude

Für die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist der Tempel ein heiliges Haus des Herrn Jesus Christus, ein Ort der Gottesverehrung, an dem sie feierliche Versprechen vor Gott eingehen und an heiligen Handlungen teilnehmen, die ihrem Glauben nach die Familie in Ewigkeit vereinen, und wo sie göttliche Führung erhalten.

Bei seiner Ansprache beim Spatenstich erzählte Elder Cziesla, dass er in Norddeutschland aufgewachsen war, von wo aus seine Eltern über 1000 Kilometer in die Schweiz reisten, um dort den Tempel zu besuchen. Wenn die Eltern zurückkehrten, erzählte er, seien sie geduldiger gewesen und zuhause hätte mehr Frieden und Liebe geherrscht. Jahre später, bei seinem ersten Tempelbesuch, erkannte er dasselbe Gefühl.

„Der Tempel ist ein geistiges Zuhause – das Haus unseres Herrn Jesus Christus, in das er uns einlädt, um von ihm zu lernen“, sagte er.

Regina Hladky erinnert sich, dass sie diesen Einfluss auch in ihrer Familie erlebt hat. Als ihre Eltern immer wieder in den Tempel gingen, konnte sie beobachten, wie ihre Beziehung im Laufe der Jahre enger wurde.

„Das größte Wunder war für mich, wie die Beziehung zwischen meiner Mutter und meinem Vater von Monat zu Monat und von Jahr zu Jahr besser wurde, weil sie im Tempel Bündnisse mit Gott geschlossen hatten“, erzählt sie.

Als ihre Mutter Jahre später unheilbar erkrankte, kümmerte sich Reginas Vater während des Kampfes gegen den Krebs um sie. Auch dies gibt einen Einblick in die beständige Liebe und Hingabe, die Reginas Eltern nach ihrer Eheschließung im Tempel im Laufe der Jahre entwickelt hatten.

Signe Lasse hofft, dass der neue Tempel die Freundschaft und das Verständnis zwischen den Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und ihren Mitbürgern in Österreich stärken wird.

Cornelia Pillmann-Bily, eine Katholikin, lernte die Kirche Jesu Christi durch ihren Mann kennen. 2023 begleitete sie ihn zum Tempel in Freiberg in Deutschland und verbrachte Zeit im Besucherbereich und auf dem Tempelgelände.

„Dort herrschte eine sehr angenehme und beruhigende Atmosphäre“, erinnert sie sich. „Ich freue mich über den Spatenstich für den Tempel in Wien und dass ich diese wunderbare Atmosphäre bald auch in meinem Heimatland verspüren und erleben kann.“

Elder Cziesla brachte eine ähnliche Hoffnung für Freunde und Nachbarn zum Ausdruck, die vielleicht Fragen zu diesem neuen Gebäude haben: „Ich hoffe, dass die Antwort nicht nur in der Schönheit des Gebäudes gefunden wird, sondern vor allem im Leben der Menschen, die dieses Haus besuchen.“

Elder Cziesla führt seine Freude über den ersten Tempel in Österreich auf den Erretter Jesus Christus zurück: „Ich freue mich von Herzen auf diesen Tempel, weil Jesus Christus meine Freude ist − und weil dies sein Haus sein wird.“